Am 15. Februar konnte die HTG-Filder als Gast Dorothee Schneider begrüßen.

Das Tagesseminar hatte als Thema „Mein Hund hat Stress – so ein Frust! Raus aus der Stress-Falle“.

 

Wie groß das Interesse an diesem Thema war zeigten die vielen Anmeldungen. In Kürze war das Seminar mit 29 teils vereinseigenen und vielen externen Teilnehmern ausgebucht.


Was bedeutet Stress überhaupt, was passiert im Organismus, was löst Stress aus, wie erkennt man Stressreaktionen beim Hund, was können wir als Mensch tun, damit Stress nicht erst entsteht bzw. wie kann man ihn mindern? Das wurde im Seminar erörtert.


Das Auslösen von Stress/Stressreaktionen hat – weder beim Mensch, noch beim Hund - nichts mit der grundsätzlichen Schwierigkeit einer Aufgabe zu tun, was immer noch oft angenommen wird.

In kurzen Mensch-Mensch-Interaktionen, die wir durchführten, konnten wir dies selbst erleben. Hier wurde uns verdeutlicht, wie sich dieser „Stress“ (für uns gegebenenfalls auch unbewusst) äußert, welche Signale wir aussenden.


Ob es sich um „negativen“ oder „positiven“ Stress handelt, ist an sich egal. Die Abläufe im Organismus sind gleich. Das, was für einen Hund zu viel ist (zu viel Nähe zu Menschen/Hunden/Objekten, zu viel Hundesport oder andere Beschäftigungen etc.), ist für einen anderen Hund unproblematisch oder tolerierbar. Hunde haben – wie wir Menschen auch – unterschiedliche Stresspegel, die sie aushalten können und in unserer Welt auch teilweise müssen.


Wenn der Stresspegel aber permanent vorhanden ist oder immer wieder neue Stressauslöser dazu kommen, ohne dass sich der Stress beim Hund zwischenzeitlich abbauen konnte, ist es nur eine Frage der Zeit, dass auch bei Hunden irgendwann das Fass am Überlaufen ist. Der Hund kann gar nicht anders, als zu reagieren.

Anhand von Beispielen wurde aufgezeigt, wie sich dieser Stress beim Hund zeigen kann:

Für den einen Hund ist beispielsweise allein der Gang auf den Hundeplatz an sich schon stressig (wie oben erwähnt, egal ob es für ihn an sich „positiv“ oder „negativ“ ist). Bei ihm äußert sich dies vielleicht darin, dass er den Platz bepinkelt oder auch ein Geschäft verrichtet, obwohl er kurz vorher versäubert wurde oder auch, dass er nicht wirklich lernen kann.

Ein anderer Hund, der viel Bewegung, Beschäftigung am Tag erhält, kann zum Beispiel Stresssymptome zeigen, wenn diese „Erwartung“ nicht erfüllt wird. Zum Beispiel, wenn die erwartete Situation (für den Hund) nicht schnell erfolgt. Eine mögliche Situation könnte dann diese im Hundesport oder beim Spiel sein: Der Hund erwartet, dass es los geht, der Mensch spricht aber noch länger mit anderen Hundehaltern oder der Start verzögert sich.
Vermehrtes Bellen, Herumtragen oder –bringen von irgendwelchen Gegenständen, Reiben am Hundehalter etc. wären mögliche Zeichen. Auch hier könnte sich der Stress (ggf. zusätzlich) darin zeigen, dass der Hund nicht wirklich lernen kann, weil er zu sehr hochpuscht.

Und es gibt die Hunde, die – aufgrund eines immer ansteigenden Stresspegels – in Situationen, in denen sie normalerweise gar nicht auffällig oder „aggressiv“ reagieren – eben ein Verhalten zeigen können, welches leider als grundsätzlich „böse“, aggressiv oder auch Dominanzgeste gewertet wird, was nicht der Fall ist. Jeder Hund muss individuell betrachtet werden.


Dorothee Schneider führte das 4-F-Verhalten als mögliche Zeichen je nach Hund und Situation auf:

Fiddle/Flirt (Herumalbern, Schakern), Freeze (Erstarren), Flight (Fliehen), Fight (Kämpfen).


Natürlich müssen unsere Hunde auch mit Situationen umgehen können, die sie an sich, aufgrund fehlender Sozialisierung, fehlender oder schlechter Erfahrung etc. meiden würden. Aber hier ist Training und Beziehungsarbeit nötig.


Um Stresssituationen zu minimieren oder nicht entstehen zu lassen, ist, so Dorothee Schneider, die Beziehung ein wichtiges Thema. Sie verdeutlichte, dass Beziehung nichts mit Konditionierung zu tun habe, ebenso wenig wie Konditionierung Beziehung sei. Auch die notwendigen Ruhezeiten bzw. echte Schlafzeiten von Hunden, die für Hunde wichtig sind, sprach Dorothee Schneider an.

Nicht vergessen werden sollte, so die Referentin, dass auch wir als Menschen ein „Unwohlsein“ oder Stress im normalen Alltag haben und auf den Hund weitergeben und selbst damit auf Dauer nicht zurecht kommen.
Vielleicht weil wir die bevorstehende Situation oder die Lage, die sich da anbahnt, nicht mögen oder als ungut empfinden.
Was kann man als Mensch tun, um sich selbst für solche Zustände zu wappnen? Hier wurden verschiedene Managementmöglichkeiten aufgezeigt.

Hundesport-Trainingsgemeinschaft Neckartal

(HTG Neckartal e.V.)