Seminar mit Dr. Udo Gansloßer am 17. Januar 2015

Das lange Warten hatte für die vielen Interessierten endlich ein Ende. Wir freuten uns alle auf den lang herbeigesehnten Seminartag mit Dr. Gansloßer. Über 50 Teilnehmer fanden den Weg zu uns.

Spannend, interessant und mit Humor referierte Herr Dr. Gansloßer den ganzen Tag zum Thema: Das Aggressions- und Jagdverhalten unserer Hunde.

 

Herr Dr. Gansloßer machte deutlich, dass das Jagdverhalten des Hundes nicht gleichzusetzen ist mit dem Aggressionsverhalten. Es gibt deutliche Unterschiede: Jagende Hunde zeigen keine Kommunikation mit dem Beutetier und zeigen auch keine oder nur sehr wenige Emotionen. Zudem ist jagen bzw. das Jagdverhalten selbstbelohnend. Das weiß jeder, der seinem Hund dabei schon mal beobachten konnte (musste :-)).

Diese Selbstbelohnung tritt auch nicht erst ein, wenn das Ziel erreicht ist, sondern bereits bei der Hatz! Hier schlagen bereits die hündischen Hormone und Endorphine zu. Er stellte auch deutlich heraus, dass nicht nur das Hetzen oder Töten an sich Jagdverhalten darstellt, sondern viele Verhaltensweisen davor dazugehören.
Genaues Beobachten des Hundes und Erkennen der kleinsten Anzeichen für den Ansatz in das Jagdverhalten, können ausschlaggebend sein für die weitere Handlung des Vierbeiners: Durchstarten zur Jagd und nur noch im Tunnelblickmodus unterwegs sein oder sich noch umorientieren (können).

 

Dr. Gansloßer erklärte, dass jagende Hunde eine absolut gute Bindung zum Hundehalter haben können. Eine nicht vorhandene Bindung hat nichts mit einem vorhandenen Jagdverhalten zu tun (was immer noch häufig zu hören ist).
 

Beim Thema Aggressionen wurde über die verschiedenen vorhandenen Aggressionsarten (die unterschieden werden müssen) einzeln referiert.

 

Beim Aggressionsverhalten wird versucht, dem Gegenüber etwas mitzuteilen und die Situation zu beeinflussen. Der Hund zeigt „Emotionen“ und äußert generell deutlich was Sache ist (für Menschen, die sich nicht oder nur wenig mit der Körpersprache des Hundes auseinandersetzen, manchmal schwierig zu erkennen).

 

Aggression ist nicht gleichzusetzen mit böse. Aggression dient der Regulation, ist biologisch sinnvoll und erfolgt in abgestufter Intensität (außer bei der Selbstverteidigung).

Aggression ist oft die ganz natürliche Kommunikation aus hündischer Sicht!

Werden dem Hund diese Möglichkeiten sich mitzuteilen (je nach Aggressionsart) immer komplett genommen -durch im entsprechenden Fall unpassende Einschränkungen/Handgreiflichkeiten/Grenzen setzen-, wird der Hund irgendwann vorher keine äußerlich zu erkennenden Kommunikationszeichen mehr aussenden und sofort reagieren.


Angstaggressiven Hunden sollten immer Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt (erlernt) werden, damit sie nicht den Schritt nach vorne als „letzten Ausweg“ vollziehen müssen.

Um zu erkennen, um welche Art der Aggression es sich handelt, bedarf es Menschen, die die verschiedenen Formen auseinanderhalten können um den richtigen Weg des Handlings aufzuzeigen.

 

Bereits ab der 5. und 6. Lebenswoche sollte der Mensch mit dem Frustrationstraining bei seinem Hund beginnen, damit dieser lernt, nicht immer mit dem Kopf durch die Wand gehen zu wollen.

Alternativen sollten dem Hund aufgezeigt werden (dazu gehört auch die Futterverteidigungsproblematik – siehe weiter hinten).

Wichtig sei aber auch, dass Stress-/Frustrationsauslöser für den Hund nicht komplett vermieden werden, sondern Management und Bewältigungsstrategien betrieben würden.
 

Hormonelle und hirnrelevante (neuronale) Steuerungen und auch Krankheiten lassen Aggressionen ebenfalls entstehen. Deshalb sei es wichtig, bei verhaltensauffälligen Hunden immer auch erst gesundheitliche Gründe abklären zu lassen, bevor mit einem Training oder einer „Aktion“– egal welcher Art – begonnen wird.
Ein unsicherer Hund, der sich aggressiv verhält, wird beispielsweise durch eine durchgeführte Kastration (als häufig vorgeschlagene Lösung), noch unsicherer. Dies ist längst ebenfalls wissenschaftlich belegt.

 

Auch die Mär der immer noch althergebrachten Aussage, dass Hunde dominant sind, wenn sie ihr Futter „verteidigen“ (Futteraggression) und hergeben müssen, konnte Dr. Gansloßer wissenschaftlich widerlegen.

 

Wer immer noch glaubt, dass dies mit Dominanz etwas zu tun habe und auch als Trainer weitergibt, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Das Verteidigen des Futters ist hormongesteuert (Stresshormon Cortisol). Ein (mögliches) Dominanz“gebaren“ ist nicht hormonell gesteuert.

Und auch dieses (wenn auch oft nicht gewünschtes) Verhalten der Futterverteidigung ist eigentlich normal.

 

Schön, wenn Hunde damit keine Probleme haben und alles von sich aus hergeben. Generell befindet sich aber alles – unabhängig von der Rangposition – ca. 50 cm um die Schnauze herum im Besitz des Hundes.
Um dieses Verhalten ggf. aufzuweichen bzw. zu löschen, muss mit dem Hund eine Kooperation, so Dr. Gansloßer, eingegangen werden.


Hier sind keine pauschalen Aussagen möglich, wie dies auszusehen hat, denn jeder Hund ist individuell. Der eine Hund kann mit einem Tauschgeschäft überzeugt werden, der andere mit einem Spiel etc.
Solche Verhaltensweisen bauen sich übrigens langsam auf, weshalb man auch gegensteuern kann.

 

Dominanz ist übrigens eine soziale Beziehung und keinerlei Eigenschaft eines Hundes!
 

Viele Aggressionsweisen sind aber auch aufgrund des Lernens (auch unpassenden Trainings) und des Erlebten entstanden bzw. haben sich verschlechtert. Auch dies muss immer mit in Erwägung gezogen werden.
 

Zum Schluss: Nur, weil eine Trainingsmethode seit Jahren vermeintlich gut dem Hund gegenüber funktioniert, heißt dies nicht, dass diese  fair und für das Problem geeignet ist und dem Wesen und Grundverhalten des Hundes wirklich entspricht.

Die Regeln die vom Menschen dem Hund auferlegt werden, sollten immer auch nach den neuesten Ergebnissen in der Verhaltensforschung erfolgen.

 

Die HTG wird versuchen, Dr. Gansloßer spätestens 2017 für ein Seminar buchen zu können

 

Stimmen von Teilnehmern:

 

„VIELEN DANK für‘s Organisieren des Seminars mit Herrn Gansloßer. Es war das erste Mal, dass ich ihn erlebt habe und ich bin begeistert, so viel Wissen und Humor gepaart mit Herz zu begegnen. Auch zu den Themen wie Jagd- und Aggressionsverhalten, zu denen schon so viel gesagt wurde, konnte er Interessantes gut verpackt rüberbringen“

 

„Herzlichen Dank dass das tolle Seminar so gut organisiert wurde“

 

„Liebe HTG-Filder,.

Vielen Dank für die Einladung und die super Organisation!

Dieses Seminar war nicht nur sensationell sondern gigantisch!

PD Dr. Udo Gansloßer referierte so hautnah und spannend, dass ich noch Stunden seinen Worten lauschen könnte. Ich bin auf jeden Fall wieder dabei!“

 

„Vielen Dank nochmals, das Seminar war super“

 

„Ich fand, dass es ein super Seminar war. Hatte ich, ehrlich gesagt, aber auch nicht anders erwartet“

 

„Ich wollte mich auch nochmals für den herrlichen, so super organisierten Tag bedanken und ein großes Kompliment aussprechen“

 

„Die Veranstaltung mit Dr. Gansloßer war einfach nur genial, super informativ, spannend und unterhaltsam dazu. Ein großes Dankeschön an das HTG-Filder Team, für die Idee, die Orga und insbesondere auch dafür, dass Ihr Dr. Gansloßer als Referenten gewinnen konntet. Sehr gerne wieder !“

 

Dr. Gansloßer ist ein sehr sympathischer Mensch, der sein Wissen verständlich, interessant und witzig rüberbringt. Man merkt ihm an, wie sehr ihn die Materie selbst fesselt und wie wichtig es ihm ist, dass er sein Wissen weitergibt. Er hat keinerlei Berührungsängste mit den Teilnehmern gehabt, die ihn – vor allem in den Pausen – durchweg löchern konnten. Danke auch dafür!“

 

Hundesport-Trainingsgemeinschaft Neckartal

(HTG Neckartal e.V.)